Wie sagen wir es nur den Kindern?

Wir haben uns monatelang das Hirn darüber zermartert, wann der richtige Zeitpunkt ist, unsere Kinder über den geplanten Umzug zu informieren. Für uns stand ganz klar fest, was die verantwortungsvolle Vorgehensweise sein würde: Erstens: Wir sagen erst dann was, wenn alles Formale eingetütet ist und der Zeitpunkt des Umzugs feststeht. Eine Variante sah sogar vor, erst dann Bescheid zu sagen, wenn wir den Kindern auch etwas präsentieren können: „Schaut mal, in diesem Viertel werden wir wohnen, das ist unsere neue Wohnung, hier werdet ihr zur Schule gehen.“ Und bis es so weit war, wollten wir weiterhin verschlüsselt reden, bedeutungsvolle Blicke austauschen und verschwörerische Gespräche mit Freunden führen, die verstummen, wenn die Kinder den Raum betreten. Guter Plan. Wie ist es tatsächlich gelaufen?

Zwischenzeitlich war uns klar geworden, wie lange das alles noch dauern könnte. Erst die Kündigung. Dann warten. Dann der Start der Arbeit. Dann die Wohnungssuche vor Ort. Nachdem wir aus Zürich zurück waren, unterhielten wir uns mal wieder darüber:

Ich: „Ich finde es soooo belastend, den Kindern nichts zu sagen zu können. Aber es macht ja jetzt echt noch keinen Sinn.“
Er: „Ja, theoretisch kann ja auch echt noch was schief gehen. Dann kommt vielleicht das Visum nicht….“
Ich: „Ja. Ich wünschte nur, ich müsste den Kindern nicht dieses Theater vorspielen, die malen sich ja auch ständig ihre Zukunft aus und haben eine konkrete Vorstellung davon, wie ihr Leben in ein paar Monaten aussieht.“
Er: „Naja, anders herum betrachtet ist es ja schon so, dass wir entschlossen sind es durchzuziehen, es ist ja nur eine zeitliche Frage. Es wäre also vielleicht schon …“
Ich: „OK, ich hol jetzt die Kinder“

Und dann sagten wir es ihnen. Die Reaktion in den ersten zwei Sekunden: Siehe Bild.
Danach spielten sich erstaunlich schnelle Prozesse in den kleinen Köpfchen ab.
Das kleine Erdmännchen brüllte sofort los: Ich will nicht! Dann verliere ich ja all meine Freunde!
Das größere Erdmännchen war schon im Adaptions-Modus: Schreiben die in der dritten Klasse dort auch mit Schreibschrift?

In den folgenden Tagen mussten wir viel darüber reden und große und kleine Trauer-Attacken mit den Kindern durchstehen. Und diese Phasen werden auch immer wieder kommen. Wir hoffe, dass durch die Tatsache, dass wir jetzt offen sprechen können, wir uns gemeinsam mit den Kindern an den Gedanken gewöhnen können. Und so furchtbar egoistisch es sich anhört: Mein Herz ist so viel leichter.

6 Comments

  1. Wir haben unseren Kindern auch schon vom möglichen Umzug berichtet, als wir wussten, dass es passieren kann. Wir wollten den Kindern eine genauso lange Anpassungsphase ermöglichen, wie uns selbst. Und die Reaktion wäre nicht besser geworden, wenn ihr lange gewartet hättet. Unter Umständen wäre bei den Kindern auch nich ein Gefühl von „belogen und betrogen“ dazu gekommen. Jetzt könnt ihr im Beisein der Kinder offen sprechen, sie können zuhören, fragen und erleben euch authentisch. Ich bin ziemlich kompromisslos der Meinung, Familie bedeutet „mitgefangen – mitgehangen“. Das hört sich negativer an, als ich es meine, aber es bedeutet, dass alle ein Recht darauf haben, zu wissen, was vorgeht! Deshalb ein 👍🏻von mir!

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      1. Wobei unsere Kinder noch immer nicht wirklich zufrieden sind – je nachdem mal mehr mal weniger… Aber ich glaube nicht, dass ein späterer „Überfall“ daran etwas verbessert hätte…

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      2. Ja, darauf hoffe ich. Der Große ist halt auch 14 und spricht schon sehr direkt mit uns. Es ist auch schwierig, dass sie auf eine anderssprachige Schule gehen. Ich habe aber schon mit einigen Expat-Familien gesprochen – es dauert mindestens drei Monate, bis man sich eingewöhnt hat (wir haben erst zwei) und ein Jahr, bis man sich eingelebt hat. Den Kindern fehlen ihre gewohnte Routinen, dass merkt man deutlich. Aber ich gehe davon aus, dass sich bald neue einstellen werden… alles in allem bleibe ich bei der Meinung, dass es eine Chance für die Kinder ist. Aber gerade der erste Alltag ist nicht einfach…

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  2. I moved to 7 different cities in 3 countries before I was 18 years old. A move takes time to adjust to. For me the language and cultural differences were always the most difficult ones – even within a country. Give it a year at mimimum and if the kids (our kids in this case) are still unhappy… don’t have an answer for that yet. 😉

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