Eine unbekannte Stadt

Wenn man mit dem Gedanken spielt, in eine andere Stadt oder in ein anderes Land auszuwandern, sollte man vielleicht doch mal einen Fuß in diesen Ort setzen, bevor man eine endgültige Entscheidung trifft. Im besten Fall möchte man dann begeistert sein von seinem neuen Zuhause, überwältigt von Land und Leuten, hingerissen von der kulinarischen Vielfalt,….  Was muss also passieren, damit der Kurztrip in die unbekannte Stadt zu einem Erfolgserlebnis wird? In der Regel sind die Zutaten für ein solch positives Erlebnis wahrscheinlich: Freizeit, schönes Wetter, gutes Essen, Spaß, Entspannung.
Unser Programm war so ziemlich das Gegenteil davon. Wir haben die Kinder bei den Großeltern abgegeben, sind mit dem Auto da runter gebrettert und haben drei Tage lang intensives Scouting betrieben. Vorab kannte ich schon alle Wohngegenden und ihre Preise, Schulen und Distanzen. Doch wie es da wirklich aussieht, sich anfühlt und wie die Infrastruktur ist, kann man von Google Maps, – Earth, Satellitenbildern etc. nicht erkennen. Wir waren also auf einer Mission. Wir haben Schweizer auf Freundlichkeit gescannt, Gebäude betrachtet, Preise verglichen, Gegenden analysiert, Speisekarten gelesen, mit einem Steuerberater gesprochen, viel interpretiert, aufgesaugt, gerätselt und gedacht.
Und das haben wir alles nicht gemacht: Uns Zeit genommen, den Anblick von See und Bergen genossen, auf uns wirken lassen, ein bisschen Touristenquatsch gemacht, uns treiben lassen, das tollste Café aller Zeiten entdeckt oder das coolste Viertel überhaupt.
Daher verwundert das Ergebnis kaum: Ja, Zürich ist, bis auf ein paar industrielle Gebiete, eine sehr schöne Stadt. Alle Schweizer, denen wir begegnet sind, von der schwulen Cocktailbar bis zur Tankstelle, waren sehr nett. Punkt.

Wenn ich auch mit keinen euphorischen Freudentänzen auffahren kann (was in der Natur der Reise begründet liegt) haben wir aber doch ein paar Sachen gelernt:

  1. Breche niemals, wirklich niemals irgendwelche Verkehrsregeln in der Schweiz. Schon gar nicht zweimal am Tag.

  2. „Viertel“ sind „Quartiere“ und die schönsten sind Hirslanden, Seefeld, Enge, Wollishofen, Weinegg, Hottingen und Fluntern – würden wir dort bezahlbaren Wohnraum finde, könnte ich mit Sicherheit glücklich werden.

  3. Amerikaner in der Schweiz zu sein bringt nur Nachteile. Aber gib Dich immer als einer zu erkennen, dann sind die Erwartungen an Dich nicht zu hoch (Rat eines Amerikaners :-))

  4. Besorge Dir einen Zürisack, wenn Du  vor hast  Müll zu entsorgen.

  5. Nur Touristen essen im Restaurant Käse-Fondue.

Ich freue mich das nächste mal auf Dich, Zürich.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s