Fremd sein

Mit ein paar Freunden teilen wir den Gedanken, eventuell nach Zürich zu gehen. Neben den zu erwartenden Reaktionen gibt es eine, mit der ich nicht gerechnet habe: Sorge. Wegen der Dinge, die man über die Schweiz hört: Gestiegene Ausländerfeindlichkeit, Ablehnung  gegenüber Deutschen und die scheinbare Unmöglichkeit, mit Schweizern soziale Kontakte zu etablieren.

Ich halte nicht viel von Pauschalisierung, aber nach ein paar Erfahrungsberichten und dieser Studie  hier wurde mir sehr, sehr schwer um’s Herz. Filtert man nach den Kategorien „Social Life“, „Making Friends“ und „Integration“ kommt die Schweiz auf Platz 44 von 45 Ländern. Nach den selben Kategorien kommt Deutschland übrigens auf Platz 39, auch kein Knaller also. Nur habe ich hier halt den Vorteil, durch 20 Jahre am selben Ort sehr viele soziale Kontakte gewonnen zu haben.

Durch ein paar Jahre im Ausland als Kind kann ich mich an die Erfahrung erinnern, fremd zu sein.  Anders, als irgendwo neu zu sein, weil man die Arbeitsstelle gewechselt hat oder umgezogen ist, ist man als Fremder noch ein Stück weiter weg. Weil man vielleicht nicht in der Landessprache kommunizieren kann oder optisch heraussticht. Man wird (als) anders wahrgenommen. Wenn es gut läuft, sind die Menschen offen und neugierig, schenken einen Aufmerksamkeit und die Chance, dazuzugehören. Wenn es schlecht läuft wird man ignoriert, ausgegrenzt oder benachteiligt.

Kann man sich auf Dauer zu Hause fühlen, wo man als Fremder wahrgenommen wird?

Eine Teilantwort bekomme ich zu Hause, von meinem Mann,  dunkelhäutig, US Amerikaner. Er ist, wie ich finde, sehr gut integriert und fühlt sich hier wohl. Dennoch wird er von den Menschen hier als „anders“ wahrgenommen. Es sind kleine Bemerkungen, Gesten, Blicke oder auch Unausgesprochenes, die ihn das wissen lassen. Ist jede davon bewusst oder gar kränkend oder böse gemeint? Nein.

Aber ich nehme an, dass man sich erstmal dran gewöhnen muss, dass man den Status „fremd“ hat. Und dass die guten Erfahrungen in der neuen Heimat die schlechten schon überwiegen müssen, um sich zu Hause zu fühlen.

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